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Weibliche Handschrift?
Ist die
51. Biennale in Venedig weiblich? Das erste Mal kuratieren zwei Frauen
die internationalen Ausstellungen.
azw. Garantieren
Frauen an der Spitze von Veranstaltungen fraubewusste Konzepte? An der
Documenta in Kassel vor sieben Jahren, mit Catherine David als Direktorin,
war dies nicht der Fall. Jetzt in Venedig aber sehr wohl. Sowohl Maria
de Corrals und Rosa Martinez setzen in ihrer Auswahl auf die Gleichzeitigkeit
von Kopf und Körper. Zu Lasten von Theoretischem und Konzeptionellem.
Soziale, gesellschaftliche Themen sind zahlreicher als visionäre
Utopien und kritische Recherchen. Sie fehlen nicht - Rem Kohlhaas Untersuchungen
zu Kunst, Markt und Museen sind ein Beispiel.
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die Haut gehen aber Arbeiten wie jene der Koreanerin Kimsooja (geb. 1957),
die sich in die Strassen von Weltstädten stellte und die Kamera die
Reaktionen der Menschen aufnehmen liess.
Mit dem Thema des Ähnlichen spielt auch die Palästinenserin
Emily Jacir (geb. 1970), wenn sie in zwei Coiffeur-Salons filmt, einmal
in Ramallah, einmal in New York. Die Südafrikanerin Candice Breitz
(geb. 1972) greift es ebenfalls auf - ganz anders allerdings - sie lässt
Schauspielerinnen und Schauspieler in Filmrollen als Mütter und Väter
um ihre Kinder streiten - mit den Mitteln des Filmschnittes dramaturgisch
gesteigert.
Lebensnähe
Raffiniert
setzt auch die in London lebende Runa Islam (geb. in Bangladesh 1970)
das Medium Film ein. Wie sie verlangsamt bürgerliches Porzellan über
die Tischkante schubst und in Brüche gehen lässt, ist choreographisch
und inhaltlich faszinierend.
«Always a little further» ist die frechere der beiden Themen-Ausstellungen.
Das beginnt schon am Anfang mit dem «venezianischen» Lüster
von Joana Vasconcelos (geb. 1971), konstruiert aus 14 000 Tampons. Der
viele Männer zum Fotografieren verführt. Rosa Martinez präsentiert
nicht nur junge Kunst, da gibt es auch die art brut-artig dekonstruierten
Selbstporträts der Türkin Semiha Berskoy (1910-2004), die bisher
kaum bekannt waren.
Maria de Corrals zeigt eher bekannte Namen in überraschenden Kontexten,
zum Beispiel Willliam Kentridge (Südafrika), der mit seinen animierten
Zeichnungen den Trickfilm revolutioniert hat und sich nun quasi selbst
zum «animierten Objekt» macht. Oder - eindrücklich -
eine Reihe gemalter Toten-Porträts von Marlène Dumas.
Der rote Faden ist die Lebensnähe, die gelebte Erfahrung oder Vorstellung
davon. Wie sich darin Humor und deutlich mehr verbinden kann, zeigt das
Angebot des «Center of Attention», das unter dem Titel «Schwanengesang»
für alle Interessierten das Musikstück spielt, welche diese
an ihrem Begräbnis hören möchten - in einer Modellsituation!
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